Das Dorf Feiert sein Bestehen

Mit einem „Spectaculum Eberen“ feiert das Dorf Evern sein 900-jähriges Bestehen: Zum Volks- und Schützenfest vom 9. bis 11. Juni wird der Dorfplatz zu einem mittelalterlichen Markt mit Handwerkern, Künstlern und Gauklern. Dabei gibt es auch eine historische Dorfführung zur Geschichte des Ortes.

 

Funde aus der Bronzezeit am nahe gelegenen Leierberg zeugen zwar von einer sehr frühen Besiedlung, wie Siegbert Voges und Heiko Gnoth in ihrer Broschüre „Tour de Eberen“ schreiben. Doch es war erst 1117, als Evern, damals noch „Eberen“ genannt, das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. In diesem Jahr erwirkte der Graf Adalbert von Haimar die Loslösung der Kapellengemeinde Evern von der Mutterkirche in Lühnde. Vermutlich bedeutet der Name „oben liegender Ort“ aufgrund seiner erhöhten Lage auf einer Kuppe.

Über den Ursprung Everns gibt es verschiedene Theorien: Die ersten Bewohner könnten schon ab 800 n. Chr. Nachkommen der Sachsen gewesen sein, oder fränkische Siedler und Militärkolonisten als Vorposten an der nördlichen Grenze zu den heidnischen Wenden. Denn „im Nordwalde“ lauerte angeblich ein Drache, weshalb sich die Everner im Mittelalter den heiligen St. Georg, bekannt als Drachentöter, als Schutzpatron wählten. Der Drache taucht auch im Ortswappen auf.

Auf ihrer Zeittafel haben die Autoren der Broschüre viele einschneidende Ereignisse festgehalten: etwa die Abholzung des Nordwaldes 1513, von dem heute nur noch der Hämeler Wald in Lehrte übrig ist, das Weihnachtsunwetter 1689, das große Teile des Dorfes zerstörte, und Überfälle durch kaiserliche und schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg. Aber auch der Winter 1740, der bis in den Juni anhielt, das Erdbeben im Jahr 1756, der Straßenbahnanschluss nach Hannover 1898 (bis 1935) und das Ende des letzten Milchviehhofs von Otto Meyfeld 1993 gehören dazu.

Eine Zäsur, die das Dorf nachhaltig veränderte, war der verheerende Großbrand von 1825. Am 15. Juni abends gegen 22 Uhr brach nach einer neunwöchigen Trockenperiode ein Feuer aus, das drei Stunden wütete und den eng bebauten Ort mit seinen Häusern aus Lehmfachwerk und Reetdächern fast vollständig zerstörte. Der Brand vernichtete 44 Wohnhäuser, die Kapelle, Schule und 24 Nebengebäude. 278 der damals 370 Einwohner waren auf einen Schlag obdach- und mittellos. Beim Neuaufbau wurden 15 Höfe aus der Ortsmitte westlich der Alten Heerstraße ausgelagert (siehe Bild links), die mittelalterlichen Gassen zu Straßen verbreitert und begradigt. Nur die Sackgasse Rethmarsche Straße erinnert noch an die frühere enge Bebauung.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts blühte das Gewerbe in dem ehemaligen Bauerndorf auf, immer mehr Händler und Handwerker siedelten sich an, sogar eine Spinnstube gab es. In den 1840er-Jahren wurde die Peiner Heerstraße zu einer Chaussee ausgebaut – der heutigen Bundesstraße 65. Sie führte nun direkt durch den Ort und nicht mehr daran vorbei. Sogar eine Tankstelle gab es seit 1924, die jedoch nach einer geänderten Straßenführung in den 1980er Jahren aufgab. Everns Geschichte als eigenständige Gemeinde endete erst mit der Gebietsreform 1974.

Quelle: HAZ
Von Oliver Kühn

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