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Zum Dorf

Das Dorf Evern mit seinen derzeit ca. 600 Einwohnern, gehörte früher zum ältesten Besitz der Familie von Saldern, welche am 11. Mai 1117 dem Ort eine Pfarrkirche stiftete. Obwohl die Familie von Saldern Evern bereits 1386 wieder verließ, wurde deren Rose in das Ortswappen übernommen.
Die Familie existiert heute noch in Brandenburg und Pommern.
Urkundlich erwähnt wurde in dieser Zeit auch eine Windmühle, die damit füher genannt war, als die von Speyer (1390) oder Frankfurt am Main.
Manchmal schwierig gestaltete sich das Verhältnis zu den späteren Besitzer des Dorfes, den Grafen von Haimar, da es in jenen Zeiten immer wieder vorkam, dass der Adel wegen Geldnot Ortschaften wie Evern einfach verpfändete, um Krieg führen zu können.
Zwischenzeitlich geriet Evern zum Bistum Hildesheim, ehe es 1643 wieder zum Großen Freien angegliedert wurde.

Geschichte

Evern war bis zu einem verheerenden Großbrand 1825 ein typisches altsächsisches Haufendorf. Funde aus der Bronzezeit am nahegelegenen Leierberg zeugen von einer sehr frühen Besiedlung. Durch großzügige Spenden an das Bistum Hildesheim konnte der Graf von Haimar am 11. Mai 1117 das Kirchrecht für Evern erwerben. Schwierig gestaltete sich manchmal das Verhältnis zum jeweiligen Landesherren. Da es in jenen Zeiten immer wieder vorkam, dass der Adel aus Geldnot Ortschaften verpfändete, geriet Evern zwischenzeitlich zum Hochstift Hildesheim, ehe es 1643 wieder dem Großen Freien angegliedert wurde. So kam es mitunter vor, dass zu Zeiten eines evangelischen Landesherren (Lüneburg) sonntags die Kapelle leer blieb. Die Everaner zogen es vor, in das einige Kilometer entfernte Lühnde zur heiligen Messe zu gehen, als vor Ort den lutherischen Gottesdienst zu besuchen.


 

Das 19. Jahrhundert

Seine wohl einschneidendsten Veränderungen erlebte der Ort im 19. Jahrhundert. Nach dem großen Brand wurden die typischen reetgedeckten Katen durch großzügige Fachwerkhäuser (siehe Hof Eichenkamp 1) ersetzt.
Aus den mittelalterlichen Gassen wurden breite Straßen. Nur die Sackgasse Rethmarsche Straße erinnert noch an die frühere enge Bebauung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten unter Regie des Ökonomierates Otto Haarstrich die Straßen Kopfsteinpflaster. Im Gedenken an Otto Haarstrich wurde auf dem heutigen Feuerwehrplatz ein Denkmal errichtet.

Gedenkstein an Otto Haarstrich auf dem heutigen Feuerwehrplatz
Gedenkstein am Feuerwehrplatz

Am 31. August 1898 wurde Evern an das elektrifizierte Überlandstraßenbahn-Netz angeschlossen. Die Straßenbahn fuhr ab diesem Zeitpunkt vom Nachbarort Haimar über Evern bis nach Hannover. Diesem Umstand verdankte der Ort nicht nur eine schnelle Verkehrsanbindung, sondern auch eine frühe Versorgung mit elektrischem Strom. Neben dem Personenverkehr war auch der Güterverkehr über die Schiene ein zur damaligen Zeit enormer Fortschritt. Eigens für den Güterumschlag wurde ein Abstellgleis auf dem heutigen Feuerwehrplatz verlegt. Die Straßenbahnlinie wurde im Jahr 1935 durch einen Busverkehr ersetzt. Bis auf einige Straßenveränderungen und die Siedlungen im südlichen Eichenkamp (1960er Jahre) und am Sportplatz (1980er Jahre) erhielt Evern sein heutiges Gesicht im 19. Jahrhundert.


 

Das Mittelalter

Die Drachenheiligen

 „Vor dem Nordwalde", der im Westen von der Leine und im Osten von der Aue begrenzt war, wohnten die ,,Freien". Seit den Zeiten Karls des Großen (768-814) hielten sie die Wacht gegen die heidnischen Wenden, die nördlich des Waldes wohnten'.Auf vorgeschobenem Posten standen Evern und Dolgen. Drüben lauerte der Drache, dessen Bild die Wenden in Fahne und Wappen führten. Hüben erkoren daher die beiden Ortschaften für ihre Gotteshäuser die Drachenheiligen als Schutzpatrone, die sie anriefen, wenn der wendische Drache drohte.

Es waren in Evern St. Georg der Drachentöter und in Dolgen St. Margarete, die mit dem Kreuzeszeichen den Drachen zu Boden schlug. Danach liegt die Annahme nahe, daß schon bald nach der Unterwerfung der Sachsen durch den Frankenkönig Karl die beiden Kapellen entstanden sind' Oder waren sie nicht schon vor der fränkischen Zeit vorhanden? Haben unsere Vorfahren auch von dem Evangelium gehört, das um 600 irische Glaubensboten und im Jahrhundert danach angelsächsische Mönche im Hildesheimer Lande verkündeten? Die Fragen müssen offen bleiben' Immerhin gab es Kapellen bereits in der vorfränkischen Zeit. Die Wurzeln dieser Erscheinung reichen in das 4. Jahrhundert zurück. Damals lebte in der französischen Stadt Tours der hl. Martin. Von ihm heißt es, daß er einem dürftig gekleideten Manne die Hälfte seines Offiziersmantels abgegeben habe. Als der Ritter um seiner Barmherzigkeit willen heiliggesprochen war, gewann der Mantel, in der lateinischen Sprache des Mittelalters mit ,,capella" bezeichnet, eine hohe Bedeutung als Reliquie*, die die Merowingerkönige auf ihren Reisen und Kriegsfahrten mit sich führten. Bald nahm auch der Behälter, in dem der Mantel aufbewahrt wurde, die Bezeichnung ,,capella" an, weil er wie ein Mantel den Inhalt schützend umschloss. So kam es, dass jeder Reliquienbehälter ,,capella" genannt wurde, auch das Gebäude, das sich über einer Reliquie wölbte.

Die Wahl des Drachentöters Georg als Kirchenpatron von Evern deutet an, daß dieser Ort in alter Zeit vor den Dörfern ringsum eine besondere Bedeutung hatte. Daher kam es, daß schon früh die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben wurde, sobald das Eigentum ausreichte, um aus dessen Einkünften die Einrichtungen einer Kirchengemeinde - Kirche, Pfarre und Küsterei - zu unterhalten. Das wäre ohne die Hilfe des Grafen Adalbert von Haimar nicht möglich gewesen.

Es war im Jahre 1117. Graf. Adalbert hatte in der Gegend von Wernigerode und Halberstadt umfangreiches Grundeigentum erworben. Dorthin verlegte er nun seinen Wohnsitz. Hoch oben über der Stadt Wernigerode erstand von 1117 bis 1121 eine feste Burg. Das im Umkreis von Haimar liegende Grundvermögen wurde nun veräußert. Der letzte Verkauf erfolgte 1786, in dem das Hochstift Hildesheim das Dorf Evern erwarb.

Adalbert begüterte nicht allein die dortige Kapelle ausreichend, sondern er zahlte außerdem eine Abfindung in Liegenschaften und Geld an die Mutterkirche in Lühnde.

Dieses Gotteshaus war eine Taufkirche, die wohl schon im 9. Jahrhundert wie wenige andere dieses Vorrecht neben der Bischofskirche genoß. Errichtet war sie an der alten Malstätte, dem ,,Hasel" bei Lühnde, und führte daher die Bezeichnung Gaukirche. Es war klug und pietätvoll, an vorchristlichen Opferstätten Kirchen zu errichten. Die seit alters liebgewordenen Stätten halfen der Förderung des christlichen Glaubens.

Im 11. Jahrhundert wurde die Gaukirche Mittelpunkt eines Archidiakonats, dessen Grenzen in weiterem Umkreis die Dörfer umschlossen. Die Leitung hatte der Archidiakon als erster Diener des Bischofs. Er entlastete diesen auf den Gebieten der Verwaltung, Gesetzgebung und Rechtsprechung (Sendgericht). Die Archidiakonatskirche war für den Bezirk Mutter- und Taufkirche bis zur Gründung von Pfarrgemeinden.

Über die Loslösung von Evern führten Graf Adalbert und sein Sohn Berthold die Verhandlungen mit dem

Archidiakon und Bischof Bruning von Hildesheim. Am 11. Mai 1117 kam es zur Gründung der Kirdrengemeinde, wie folgende Urkunde bezeugt:

,,Wir wollen, daß allen Gläubigen Christi kund und zu wissen getan werde, daß Graf Adalbert von Haimar mit Zustimmung seines Sohnes Berthold einen Tausch eingegangen ist gegenüber dem Priester Adalbert an der Mutterkirche in Lühnde. Dem vorgenannten Priester gibt er nämlich 24 Morgen mit einer Hausstelle in Schuttelobeke* und noch eine Mark in Silber zum Gebrauch des erwähnten Priesters Adalbert unter der Bedingung, daß das Dörfchen namens Evern, das zu der vorgenannten Kirche gehört, fernerhin von dort abgetrennt werde und anerkenne, daß es ihr kein Recht mehr schuldig sei außer dem Synodalrecht* und sooft die Notwendigkeit sich ergibt, zum Bau der kirchlichen Gebäude oder zum Ankauf von Gerätschaften beizutragen sich nicht weigere.“
Graf Adalbert fiel daraufhin das Patronat über die Everner Kirche zu. Der erste Geistliche hieß Eberhard.

 

( * Wüste Ortschaft zwischen Groß- und Klein Lobke )
( * Synode (gr.): Kirchenversammlung )

 

Quelle:  Fritz Garbe ,  Die Heimatkirche 

               Aus der Geschichte der Kirchengemeinde Haimar

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