Schützenwesen

Tradition und soziales Miteinander in der Gegenwart:

Als einzige bürgerliche Vereinigung überstanden die Schützen
in ungebrochener Tradition
vom Mittelalter bis heute den Wechsel der Zeiten.
Von Anfang an haben sie, wie wir es heute nennen,
demokratische Prinzipien vertreten.

 

 

 

 

 

 

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Chronik 25 Jahre Damenabteilung im SV Evern e.V.  1965 – 1990

Eigentlich begann unser Dasein im Jahre 1964. Wir liefen unter dem Punkt „Verschiedenes“. Um dieses nochmal zu belegen, zitieren wir aus dem Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 22. Februar die im Gasthaus Deike stattfand, wie folgt:
interessierte Damen sollen wegen der Bildung einer Riege angesprochen werden.

Von diesem Tage an ging es mit uns bergauf. Unsere anerkannte „Geburtsstunde“ begann in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am 03. April 1965 im bereits oben genannten Gasthaus stattfand. Im Protokoll ist zu diesem Punkt zu lesen:

„Entsprechend der Einladung vom 30.03.1965 fand heute im Gasthaus des SB. Deike eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Hierzu eingeladen waren alle, an der Gründung einer Damenriege interessierten Personen, sowie alle Schützenbrüder. Es waren anwesend vier Vorstandsmitglieder männlich, 14 Damen und 16 Schützenbrüder. SB Schlombs leitete die Versammlung und eröffnete diese um 20:30 Uhr. Er übermittelte die Grüße des Vorsitzenden der wegen Ortsabwesenheit an der Teilnahme verhindert war. Er berichtete ausführlich über Sinn und Zweck der zu gründenden Damenriege und bat alsdann um Wortmeldungen. Es stellte sich heraus, daß alle anwesenden Damen an einem Eintritt sehr interessiert sind. Sie bekundeten einstimmig in den Schützenverein Evern eintreten zu wollen. SB. Schlombs nahm den Eintrittsantrag an und erklärte damit die Gründung der Damenriege für vollzogen und bat darum die Eintrittserklärungen in schriftlicher Form abzugeben.
Alsdann erfolgte die Begrüßung als Schützenschwestern.
Als Vertreterin der Damenriege wurde H. Bartels (Helga) mit 9 Stimmen gegenüber A. Schröder (Anneliese) mit 5 Stimmen in dem erweiterten Vorstand gewählt. Einstimmig zu Schießwart der Damen erfolgte die Wahl des SB Otto Schröder. Die gewählten nahmen die Wahl an. Über die zu wählende Uniform wollte die Damen sich in Kürze entscheiden, damit diese zum nächsten Schützenfest getragen werden können.
Da keine weiteren Wortmeldungen vorlagen, schloss SB Schlombs die Versammlung um 22:30 Uhr.“

Bezugnehmend auf die Uniform ist zu berichten, dass diese einen Abend vor Schützenfest beginn angeliefert wurden und einige Mängel in der Form aufwiesen. Die Nähmaschinen standen in diese Nacht in so manchen Haushalt bestimmt nicht still. Wollte man doch ein einheitliches Bild repräsentieren.
Weiterhin ist zu berichten, daß zwischen der Gründung und dem bevorstehenden Schützenfest nur fünf Wochen zur Verfügung standen, um die Damenkönigin des Jahres 1965 auszuschießen.
Da schießen fand zu dieser Zeit im Gasthaus Deike statt. Um die Damenkönigin zu ermitteln, wurden Schießtage festgelegt, an denen die Damen sitzend, auf Sandsack aufgelegt, schossen.

Die erste Damenkönigin wurde Wilma Gerstler.

Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass die Damen sofort nach Ihrem Eintritt in den Verein gegangen Freihand zu schießen. Auflage wurde nur geschossen, um die Königswürde zu erringen. Erst wesentlich später wurde dazu übergegangen mehr Auflage als Freihand zu schießen.
Im Laufe der Zeit wechselten wir auch einige Male unsere Schießstätte. Wir zogen von der Gasstätte Deike über Bertram in die Rethmarsche Schützenklause. Anschließend, im Jahr 1982, weihten wir endlich unser eigenes Schützenhaus in Evern ein.
Dieses wurde in Eigeninitiative aus der alten Grundschule in ein gemütliches Heim für Schützen umgebaut. Ihren Beitrag leisteten hierzu alle Mitglieder.

Während der 25 Jahre erweiterte sich unsere Damenriege stetig. Die Schützinnen verstanden es, dass Schießen mit der Geselligkeit zu verbinden. So manche Fahrradtour, Besichtigung oder Grillfeier wurde zum fröhlichen Ereignis.

1988 erhielt der Verein auch seine ersten weiblichen Schießsportleiterglieder.
Ebenso hat sich ein schöner Brauch in unserem Verein durchgesetzt. Wir haben es uns zu einer ehrenvollen Aufgabe gemacht, zu den Trauungen unserer Schützenschwestern Spalier zu stehen. Diese Ehrung wollen wir auch unseren Schießsportleitern erweisen, da diese sich wöchentlich zum Wohle unseres Vereins uneigennützig zur Verfügung stellen.

Wir wünschen uns für die kommenden Jahre, dass die Gemeinschaft unseres Vereins fortbesteht und jeder daran denkt:

Ein Dorf ist keine Stadt, sondern eine kleine Gemeinschaft.

Die Anfänge des Schützenwesens sind nicht nur in unserer Region durch das „Große Freie“ gegeben, sondern auch bereits vor der Zeit der Freien Kompanien gab es in anderen deutschen Regionen ein Schützenwesen. Besonders in großen Städten wurde viel Wert auf ein intaktes, geübtes Schützenwesen gelegt. Der nachfolgende aus der Historie überlieferte „Lad­brief“ erteilt Zeugnis hierüber.

Der Ladbrief

jede Stadt, die zu einem Schießfest einlud, verschickte sogenannte Ladbriefe. Diese waren in Süddeutschland oft sehr schmuckvoll, in Norddeutschland eher nüchtern gehalten. In diesen Ladbriefen wurden der genaue Termin und die Höhe der Antrittsgelder (Leggeld), die jeder Schütze zu entrichten hatte, benannt. Darüber hinaus wurde genau festgelegt, auf welche Distanz geschossen wurde, z. B. 250 Ellen. Da damals überall unter­schiedliche Längenmaße herrschten, die teilweise sehr voneinander abwi­chen, wurde auf manchen Ladbriefen die Hälfte einer EIle angezeichnet. Wenn man den Text eines Ladbriefs liest, wird deutlich, dass so ein Freischießen für die damaligen Schützen eine sehr ernste Sache war. Beinahe alles ist in diesen Ladbriefen geregelt. Es gibt sogar welche, bei denen der Durchmesser des Armbrustbolzens durch ein verstärktes Loch im Ladbrief festgelegt wurde.

Ganz besonders wichtig waren in jedem Ladbrief natürlich die Preise, die der Magistrat aussetzte. Aber auch Sanktionen und Strafmaßnahmen, die durch Fehlverhalten oder Nichtkönnen hervorgerufen wurden, waren in diesen Ladbriefen genau geregelt.

Die Ladbriefe bestanden entweder aus Pergament oder waren gedruckt. Dann wurde nur noch der Name der Stadt eingesetzt. Die Ladbriefe wurden durch Boten an die Stadtoberen (Stadtrat, Bürgermeister, Magistrat) über­bracht, die sie dann an die Schützengesellschaften und -gilden weitergaben. Oft wurden die Ladbriefe auch verlesen oder öffentlich am Schützenhaus an­geschlagen. Sie wurden oft in großer Zahl verschickt, da man keine Stadt übergehen wollte. Erhielt eine Stadt keine Einladung, so führte dies oft zu lang andauernden Zerwürfnissen.

Die Stadt, die ein Freischießen ausrichtete, tat dies oft nicht aus freien Stücken. Bei jedem großen Schießen wurde am Ende des Festes der Abordnung einer anderen Stadt von einer ehrbaren Jungfrau ein Kranz oder auch Kränzel verliehen. Dieser Ehrenkranz muss deutlich vom sogenannten Schützenkranz unterschieden werden; letzterer wurde durch gute Schießleistung gewonnen. Die Stadt, die den Ehrenkranz erhielt, musste das nächste große Freischießen ausrichten.

Da so ein Freischießen für jede Stadt eine teure Angelegenheit und dadurch

meist mit einem mehr oder weniger großem finanziellen Verlust verbunden war, freuten sich manche Stadtväter gar nicht, wenn ihre Schützengilde den Kranz mit heimbrachte. Allerdings war es fast unmöglich, das Ausrichten eines Freischießens abzulehnen. Dies führte zu großen Spannungen, denn es galt als beleidigend, ja als Schande, wenn eine Stadt, die den Ehrenkranz erhalten hatte, das Schießen nicht ausrichtete. Um Schande und finanziellen Schaden zu vermeiden, wurden im Vorfeld oft umfangreiche diplomatische Gespräche geführt. So wurde vermieden, dass eine Stadt, die gerade schlecht bei Kasse war, das Kränzel erhielt und dann den Anforderungen der Veranstalter nicht gewachsen war.

Der Pritschenmeister

Kein Freischießen fand damals statt, an dem nicht ein Pritschenmeisterzuge­gen war. Pritschenmeister hatten eine doppelte Funktion: Zum einen sorgten sie für den ordnungsgemäßen Verlauf der Schießfeste, zum anderen überzo­gen sie die Leute mit Hohn und Spott. Späße waren zu jener Zeit noch derber und vulgärer. Der Pritschenmeister bezog seinen Namen von der Pritsche. Dies ist eine Art Holzknüttel, der vorne gespalten oder mit Lederstückchen verziert war. Bei seiner Anwendung auf dem Hinterteil „putschte“ es, d. h. es war weithin zu hören, zur Freude der Zuschauer und der Gäste, die den Gepritschten noch mit Hohn und Spott bedachten. Gepritscht wurde ohne Ansehen der Person: Wer z. 8. sein Ziel mehrmals verfehlte, wer den Schießbetrieb störte oder wer durch zuviel Alkoholgenus unangenehm auffiel, wur­de gepritscht. Für diesen Vorgang wurde auf der Festwiese extra eine eigene Bühne errichtet, damit möglichst viele zusehen konnten. Oft war der Pritschenmeister auch Poet. Bei der Preisverteilung bedachte er die Schützen mit Spottversen. Vor allem der schlechteste Schütze, der den Schweinepreis bzw. „Saupreis“ gewonnen hatte, wurde nach Strich und Faden gepritscht und verhöhnt. Bei einem Freischießen in Augsburg 1 509 wurde sogar Herzog Wilhelm IV. von Bayern gepritscht, weil er nichts getroffen hatte. Er ließ dies ohne Murren über sich ergehen. Ein Pritschenmeister verfügte über williges Hilfspersonal, meist freche Burschen, die mit Narrenkostüm, Pfeifen und Ratschen zur Gaudi beitrugen. Ohne einen handfesten Pritschenmeister gab es also im damaligen Sinne kein richtiges Schießfest.

Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen

Die Blütezeit des Schützenwesens ist in dem Zeitraum vor 1600 anzusetzen. Der Dreißigjährige Krieg bildet für den ganzen deutschsprachigen Raum eine schmerzhafte Zäsur. Vor allem Süddeutschland war davon betroffen. Große Landstriche wurden verwüstet, die Bevölkerung auf dem Land und in den Städten auf die Hälfte, in manchen Gebieten sogar auf ein Drittel dezimiert. Hungersnöte und Seuchen kamen hinzu. Mit den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges geht auch ein Niedergang des Schützenwesens ein­her, viele Schießstätten waren zerstört, die Schützen gefallen. Viele Schützengilden verloren nun die Privilegien, die ihnen die Städte eingeräumt hatten. Durch das Restitutionsedikt von Ferdinand II. wurde das oft beträcht­liche Vermögen der Schützengilden eingezogen.

In der Folgezeit des Dreißigjährigen Krieges, im Absolutismus, setzten die meisten Herrscher aufstehende Heere. Auch die Städte folgten diesem Trend. Daher waren Schützengilden und die Schießfertigkeiten derer Mitglieder nicht mehr gefragt. Gleichzeitig wurde durch eine Fülle von Verordnungen das Schießwesen immer mehr eingeengt. Städte und Herrscher hatten kein Geld und zeigten sich deshalb auch sehr knauserig bei der Stiftung von Preisen, so dass die Motivation für Schützenfeste eher gering war.

Dies änderte sich erst, als die Herrscher den militärischen Nutzen von Bürgern, die im Schießen unterrichtet waren, wiedererkannten. In der Schützenordnung von Kurfürst Carl Theodor (1777-1799) von Bayern und der Pfalz ist vermerkt: „Die in Unseren Chur-Baierischen Landen befindlichen gefreuten Schießstätte hatten bey ihren Entstehen, und seit ihrem bisherigen Daseyn den doppelten Endzweck, daß sich sämmtliche Unterthanen, wessen Standes sie immer seyn mögen, nicht allein zu einer edlen Belustigung im Schiessen üben, sondern vorzüglich, daß sie sich auch ‘im nöthigen Falle zu eignet-, sowie zu des Vaterlandes Verteidigung fähig machen können.“

 Bereits früher verfügte Maximilian 1. von Bayern, dass niemand heiraten dür­fe, der nicht an der Muskete ausgebildet worden war. Auch die Vergabe von

Bürgerrechten wurde von der Schießfertigkeit abhängig gemacht.

Die Schützen sollten sich im Ernstfall selbst verteidigen können und der

Landesverteidigung zur Verfügung stehen.

Quelle:

Aus der Festschrift zum 75 jährigen Vereinsjubiläum des Schützenvereins Evern e.V.

Die Hakenbüchsen

Die Luntengewehre, auch Hakenbüchsen genannt, waren vom Gewicht sehr schwer, manche wogen bis zu hundert Pfund. Deshalb wurden sie haupt­sächlich zur Verteidigung der Stadt eingesetzt. Dazu nahm man einen Haken, den man in die Stadtmauer einfügte und darauf die Büchse platzierte. Die Treffgenauigkeit war äußerst gering. Dazu kam noch, dass der Lade­vorgang also Einfüllen des Pulvers und das Stopfen, Einfügen eines Propfes und der Kugel sowie das Einbringen des Pulvers auf die Zündpfanne sehr langwierig war. Der Spruch: „Der Schuss ging nach hinten los“, stammt wahr­scheinlich ebenfalls aus dieser Zeit und verdeutlicht auch die Gefahr, der der Schütze damals ausgesetzt war. Kein Wunder, dass er erst nach Anrufung sei­nes Schutzheiligen das Pulver auf der Zündpfanne in Brand setzte. Der militärische Erfolg dieser Luntengewehre oder Hakenbüchsen muss eher als gering angesetzt werden. Auch wurden diese Waffen so heiß, dass nur etwa sieben Schuss am Tag abgefeuert werden konnten. Jeder trainierte Bogen- oder Armbrustschütze war damals einem Schützen mit Hakenbüchse haushoch überlegen. Daher stellt sich die Frage, weshalb die Entwicklung mit Pulverwaffen nicht eingestellt wurde. Wahrscheinlich war der psycholo­gische Effekt so groß, dass er die Unzulänglichkeiten der damaligen Waffentechnik kompensierte. Es knallte, es stank nach Pulver in einem Zeitalter, das leicht mit äußerlichen Effekten zu beeindrucken war, ein nicht zu verach­tender Faktor.

Bei den Schützengesellschaften waren die Hakenbüchsen verpönt. Ja, sie haben sich oft lästernd über die Feuerschützen geäußert: „Nicht selten fiel einer um“. In den Schützengesellschaften setzten sich die Feuerschützen erst etwa im 15., definitiv aber erst im 16.Jahrhundert durch. Dies führte zu einer Rivalität mit den Stahlschützen und oft zur Gründung einer Feuerbüchsengesellschaft. Dazu kam, dass die Feuerschützen vollkommen andere Anforderungen an den Schießstand und die Umgebung stellen muss­ten. Sogar damals war der Lärm bereits ein Problem. Die Feuerbüchsen­gellschaften hatten auch deshalb einen so hohen Zulauf, weil die technische Entwicklung neue Zündverfahren mit sich brachte: So musste das Pulver nicht mehr über eine Lunte gezündet werden, denn mit der Erfindung der Steinschlossgewehre war eine wesentliche Verbesserung gelungen. Über einen Hahn, der sich beim Abzug senkte, wurde mit einem Feuerstein ein Funke ausgelöst, der das Pulver im Rohr zündete. Einen weiteren Fortschritt brachte die Erfindung des gezogenen Laufs. Hierzu muss man sich verge­genwärtigen, dass die damaligen Kugeln, meist aus Blei, nicht völlig kugel­förmig waren und deshalb beim Schießen unsauber beschleunigt wurden. Bei einem gezogenen Lauf jedoch, der innen rillenförmige Kerbungen hatte, wurde die Kugel in eine Rotation versetzt und konnte so dem Luftwiderstand und den unterschiedlichen Schwerpunkten besser begegnen. Gewehre mit gezogenen Läufen waren also wesentlich treffsicherer als solche mit gera­den Läufen.

Quelle:

Aus der Festschrift zum 75 jährigen Vereinsjubiläum des Schützenvereins Evern e.V.

Die erste urkundliche Erwähnung von Schützenfesten in Evern datiert aus dem Jahre 1864. Das bedeutet, dass die Bürger von Evern die Tradition des Schießwettkampfes schon lange vor Gründung eines Schützenvereines ge­pflegt haben. Die Vorläufer sind sicher in den Schießübungen der Freien-Kompanien zu suchen.

 

Soweit sich dies durch Überlieferungen und Fotos nachweisen lässt, sind die­se Feste nach dem 1. Weltkrieg und zwar seit 1920 regelmäßig im August je­den Jahres gefeiert worden. Träger des Festes war damals die Junggesellschaft des Ortes. Am Sonntag vor dem Fest wurde der König ermittelt. Die Patronen zum Königsschiessen fertigte der damalige Schießwart Albert Toll selbst an. Es waren Pulvergeschosse aus 9 mm Patronen. Austragungsort des Königsschießens war eine Sandkuhle westlich des Gemeindewaldes (später Mütldeponie Rethmar).

Erst im Jahre 1926 wurde ein Schießstand mit festem Unterstand östlich der B 65 in Richtung Haimar errichtet. Hier waren unter der Aufsicht des “Scheibenkiekers“ Karl Kirchhoff 2 Probe- und 3 Königsschüsse je Teilnehmer abzugeben, wobei durch Verdecken der Scheibe mit dem Hut eine 12 signali­siert wurde. Erst im Jahre 1928 kam es zur Gründung des Schützenvereins Evern eV., dessen Vorstand waren die Herren Friedrich Deike, Ludwig Hoyer, Heinrich Wilke, Wilhelm Rampenthal, sen. und August Heimberg. Das Protokoll vom 16.5.1928 wurde beim Amtsgericht Burgdorf im Vereinsregister unter der Nr. VR 68/1 registriert. Der Schützenverein Evern war somit ins Leben gerufen und hat bis zum heutigen Tage Bestand.

Schützenfeste wurden bis kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges gefeiert, wo­bei deren organisatorischer Ablauf dem Fest des Jahres 1920 gleichkam.

In den Jahren 1920 bis 1 924 war die Junggesellschaft der Träger der Schützenfeste und 1925 bis 1927 war der Träger die Schützengesellschaft der Gemeinde Evern. Ab 1 928 wurden dann die Schützenfeste durch den neu gegründeten und eingetragenen Schützenverein Evern e.V. ausgerichtet.

In der Zeit des 2. Weltkrieges fanden keine Schützenfeste statt. Nach dem Krieg fanden sich wiederum Bürger aus Evern bereit, die alte Tradition aufle­ben zulassen und wieder Schützenfeste zu feiern.

Man ergriff die Initiative und feierte zunächst unter der Regie des Turnvereins, der Feuerwehr und der Junggesellschaft in den Jahren 1950 bis 1953 Schützenfeste in gewohnter Weise.


Am 22.6.1954 berief der letzte amtierende Vorsitzende des Vereins, Heinrich Meyer, alle an einer Neugründung interessierten Bürger Evern‘s zu einer Versammlung in das Gasthaus Wilhelm Deike ein. 56 Bürger Evern‘s waren bereit, dem Verein beizutreten und wählten den Vorstand, der sich aus dem Vorsitzenden Wilhelm Haepke, seinem Stellvertreter Heinrich Meyer, dem Schriftführer Willi Brehmer, dessen Stellvertreter Otto Haarstrich, dem Kassierer Heinrich Mollenhauer und dessen Stellvertreter Gustav Bartels, sen. zusammensetzte.

Zum erweiterten Vorstand gehörten der Schießwart Richard Silberbach und die Schäffer Wilhelm Rampenthal, jun. und Franz Erxleben. Am 8. und 9. August 1954 wurde dann wieder unter der Regie deswiedergegründeten Schützenvereins das Fest gefeiert.

Der Verein kam finanziell dabei gerade über die Runden, denn den Ein­nahmen in Höhe von DM 2.061,40 standen Ausgaben von DM 2.027,70 gegenüber, so dass ein Überschuss von DM 33,70 verblieb. Die Könige des Jahres waren Gustav Bartels, sen. und Heinrich Kaune. Die Festwirte wechsel­ten bis zum Jahre 1959 unter den im Ort ansässigen Gastwirten, wobei 1959 erstmals ein auswärtiger Wirt den Zuschlag erhielt. Bemerkenswert ist fer­ner, dass die Gemeindeverwaltung in all den Jahren auf die Einnahme des Platzgeldes verzichtete und diese dem Verein zugute kommenließ.

Während der Höhepunkt eines jeden Festes das Königsfrühstück war, wurde diese Sitte ab 1961 offiziell wegen der finanziellen Belastung der Könige auf­gehoben. Eine weitere Änderung ergab sich durch die Verlegung des Festes von August in den Monat Mai. Seit dem Jahre 1964 kann der Verein seine neue Fahne bei Ausmärschen voranführen.


Ein wichtiges Datum ist das Jahr 1965, denn der Verein gründete am

30.3.1965 im Gasthaus W. Deike eine Damenriege, deren erste Leiterin

Helga Bartels wurde. Damit war das Schützenwesen nicht mehr reine Männersache.

Chronik 25 Jahre Damenabteilung


 

 Im Jahre 1966 hat unser Verein das Freienschießen ausgerichtet, woran eine Vielzahl der Schützinnen und Schützen aus den Orten des Großen Freien teilnahm. Der Silbervogelkönig des Jahres 1966 konnte dabei durch den damaligen 2. Vors. des SV Evern Helmut Schlombs gestellt werden.

Sein 40-jährigesBestehen beging der Verein im Jahre 1968. Zu diesem Fest konnte der jetzt amtierende Vorsitzende und damalige Silbervogel­könig des

Freien von den Gründern die Herren Karl Aue, sen., Louis Bertram, Gustav Bode, Friedrich Deike, Gustav Haarstrich, sen., Heinrich Meyer und Wilhelm Rampenthal, sen. für 40-jährige Mitgliedschaft auszeichnen.


Die Mitgliederentwicklung zeigte einen steten Aufwärtstrend. Im Jahre 1 954 mit 56 Mitgliedern neu gegründet, zählte der Verein im jahre 1968 immerhin 158 Mitglieder. Der Fortbestand eines Vereines ist nur gewährleistet, wenn es ihm gelingt die Jugend zu gewinnen. Diese entscheidende Tatsache erkannte der Schießmeister Ludwig Bertram und gründete im Jahre 1968 eine Jugendabteilung. Ihm gelang es, die Jugendlichen zu gewinnen, zu motivieren und mit ihnen achtbare Erfolge zu erzielen. Der erste Nachfolger in der Leitung der Jugendabteilung war der Schießmeister Dieter Ruhkopf. Er übernahm und leitete die 30-köpfigeJugendgruppe.

Die Anfang der 70er Jahre unternommenen Anstrengungen, ein Vereinshaus auf dem ehemaligen Sportplatz zu errichten, scheiterten. Der Verein führt nach Schließung der Gaststätte Bertram seinen Schießbetrieb, die Versammlungen und Feste, wie Proklamation und Winterschützenfest, im Vereinshaus des befreundeten Schützenvereins Rethmar durch. Trotz des auswärtigen Schießbetriebes in Rethmar hat sich die Beteiligung der Mitglieder an den Vereinsaktivitäten nicht verschlechtert.

Durch die Gemeindegebietsreform im Jahr 1974 wurde die Gemeinde Evern mit 14 weiteren Ortschaften in ihrer Selbständigkeit aufgelöst und in die Samtgemeinde Sehnde integriert. Im gleichen Zeitraum wurde auch das Schulwesen reformiert. Die kleinen Dorfschulen wurden aufgelöst. Das Schulbildungswesen wurde überwiegend in der Kerngemeinde Sehnde kon­zentriert. Das dadurch leerstehende Schulgebäude in Evern sollte anfäng­lich durch die Gemeinde Sehnde als Schulträger verkauft werden. Dem Schützenverein Evern als mitgliedermäßig stärksten Verein in Evern, war für seine Schießsportlichen Aktivitäten ein Schützenhausneubau durch die Gemeinde Sehnde in Aussicht gestellt, aber immer wieder infolge der recht hohen Investitionssumme verschoben bzw. zurückgestellt.

Die Veräußerungsabsicht des ehemaligen Schulgebäudes durch die Gemeinde Sehnde hat dann einige Bürger, Schützen und Kommunalpolitiker auf den Plan gerufen. Es ging nicht in die Köpfe vieler Everner Bürger, dass dieses Gebäude, welches einmal durch Steuermittel der Bürger finanziert wurde, einfach in fremde Hände gehen sollte. Durch eine beständige, hartnä­ckige Vertretung des Standpunktes, das Schulgebäude letztendlich in Vereinsbesitz zu übergeben, ist es den Kommunalpolitikern und Schützen­brüdern Helmut Schlombs und Helmut Ehlers sowie der Schützenschwester Inge Fröchtling zu verdanken, das mit der Gemeinde Sehnde ein Erbbaurechtsvertrag abgeschlossen werden konnte. Viele, schwere und langwierige Verhandlungen mit den offiziellen Vertretern der Verwaltung‘. der Gemeinde Sehnde waren erforderlich, bis es am 22. April 1981 zum Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages mit der Gemeinde Sehnde: kam. Damit wurde der Schützenverein offizieller Besitzer des Schulgebäudes von Evern und konnte nunmehr mit dem Umbau der Schule zum Schützenhaus beginnen

Von Juni 1981 bis November 1982 wurde der anstehende Umbau durchge­führt. In der Zeit des Umbaues gab es eine positive Einstellung aller Mitglieder zu dieser Maßnahme Es gab kaum Differenzen bei der Durchführung der Umbaumaßnahme selbst und den gebildeten Bau und Finanzausschüssen Bei den anstehenden Bauarbeiten wurden mehr oder weniger von allen männlichen Mitgliedern die Ärmel hochgekrempelt, in die Hände gespuckt und die gesamte Umbaumaßnahme in Eigenarbeit des Vereins in allen Baugewerken durchgeführt jedes erwachsene Mitglied wurde nach sei­nen handwerklichen Fähigkeiten der entsprechenden Baugruppe zugeteilt und hat dort die festgelegten Arbeiten und Pflichtstunden abgeleistet. Viele Mitglieder haben hierbei weit über das festgelegte Maß der Pflichtstunden hinaus bei dem Umbau tatkräftig mitgewirkt.

Die Damen des Vereins wollten auch hier nicht zurückstehen und haben bei der Verschönerung des Hauses z.B. Maler und Tapezierarbeiten, Gardinen-Herstellung, Dekoration und Raumschmuck für Wände sowie für Reinlichkeit im neuen Schützenheim gesorgt. Selbst im Jahr des Schützenhausumbaues wurden die Vereinsgeschäfte nicht zurückgestellt. So wurde beispielsweise die alte, nicht mehr zeitgemäße, Satzung des Vereins überarbeitet und eine neue Vereinssatzung angefertigt. Hierfür erforderliche Erarbeitungen, Diskussionen und Beschlüsse wurden in meh­reren Vereinsversammlungen diskutiert und zu Papier gebracht. Am 26. März 1 982 wurde die neue Satzung von der Mitgliederversammlung verab­schiedet.

Anfang der 80er Jahre bestand eine enge freundschaftliche Verbindung zu einer Sanitätskompanie der Bundeswehr mit Stützpunkt in Hildesheim. Der Ursprung dieser Verbindung entstand durch die Jägerschaft in Evern und wurde auf die Schützen ausgeweitet. Es fanden auf einem Schießplatz in Hildesheim mehrere Schießübungen mit fröhlichem Ausklang statt.

Hier im Ort bei den Schützenfesten feierten auch Bundeswehrsoldaten mit. Unsere Umzüge wurden in diesen Jahren immer durch uniformierte Soldaten bereichert. Großes Interesse erregte zu einem Schützenfest der Aufbau und die Vorführung, auf dem Übungsplatz der Feuerwehr, ein Sanitätszelt­lazarett. Am Samstagvormittag des Schützenfestes wurde dieses Lazarett im betrieblichen Ablauf vorgeführt. Eine interessante und lehrreiche Vorführung eines simulierten Ernstfalles für alle Bürger aus Evern.

Neben gesellschaftlichen und schießsportlichen Aktivitäten sind auch stets die geselligen und fröhlichen Ereignisse in kleinerer Runde in den Vordergrund einer heilen Dorfgemeinschaft zu stellen. So wurde beispiels­weise im Jahre 1 984 in unserem Schützenhaus als besonderer Gag ein Ortskonsul unter allen Teilnehmern ausgerufen.

Die zündende Idee hierzu hatten zu seiner Zeit die Wirtsleute und Schützen-Schwestern A.+B. Schröder. Dieser Ehrenkonsul wurde auf einem folgenden Sonntagvormittag, mit allen Ehren von seiner Wohnstätte, mit einer Ehren-Karosse, Klasse S 380 mit Stern auf der Kühlerhaube, abgeholt und von 10 Ehrenschützen aus der Jägerschaft und einer großen Schar von Schau­lustigen vor dem Schützenhaus empfangen. Der Gang zum Schützenhaus erfolgte auf einem eigens ausgerollten roten Teppich, eskortiert durch die Ehrenschützen. Der Ehrenempfang wurde mit drei Salutschüssen aus groß­kalibrigen Waffen als Ehrenbezeugung untermalt. Nach feuchtfröhlichem Empfang wurde dem Konsul die vorbereitete Ernennungsurkunde über­reicht.

Als Ehrenbesitz wurden ihm große Ländereien zugesprochen mit einem gro­ßen See (Teich) und mitten drin einer Insel als Wohnstatt. Der Leser kann sich sicher vorstellen, dass es hier nicht nur bei dem lustigen Vormittag geblieben ist. Die Insel wurde noch am gleichen Nachmittag mittels Motorjacht (Schlauchboot mit Elektromotor) inspiziert. Anhängsel aus Schaulustigen haben teilweise die Insel schwimmend erreicht.

Da der Schießsport keine direkte Leibesübung beinhaltet wurde in den zurüc­kliegenden Jahren an den Wochenenden in den Sommermonaten Veranstaltungen wie „Spiel ohne Grenzen“, „Fahrradrallye“ oder auch „Bossel­turniere“ durchgeführt. Schießsportlich wurden Vereinsmeisterschaften, Preisschiessen, KK-Schiessen und Bogenschiessen die zum Teil bei uns nicht durchführbar waren bei befreundeten Vereinen durchgeführt. Viele Schützinnen und Schützen, vor allem unsere Jugend hat immer rege an diesen Schießterminen teilgenommen. Darüber hinaus wurde ebenfalls mit beacht­lichen Erfolgen auf Landesebene, Kreisebene, Große Freie und Stadtebene Sehnde teilgenommen.

Die Jugend des Vereins hat in regelmäßigen Abständen in den vergangenen Jahren ein Zeltlager durchgeführt. Dieses fand überwiegend an den Pfingst­feiertagen in der schönen Lüneburger Heide im Südseecamp statt. Hier wur­de mit engagierten Eltern und Betreuern richtig Powerprogramm mit den Jugendlichen gemacht. Ein immer wieder gern angenommenes Angebot für die Jugend mit besonderen Erlebnissen und Eindrücken. Kulturpflege der besonderen Art betrieben unsere Damen durch Besuche von Theater- und Musicalvorstellungen, Museums- und Brauerreibesuchen bzw. Besichtigung von Wirtschaftsunternehmen und vieles mehr. Es würde hier den Rahmen sprengen, all die Veranstaltungen aufzuzählen, die durch Vereinsmitglieder darüber hinaus noch vorgenommen wurden. Es sei hier nur erwähnt, dass die Beteiligung durch Vereinsmitglieder immer einen schönen Rahmen ausmachten und bei solchen Veranstaltungen der Gemeinschaftsgeist und der Zusammenhalt gepflegt wurden. Der Erhalt und die Fortführung dieses alten Traditionsvereins, mit einem 75-jährigen Bestand und zur Zeit 1 30 Mit­gliedern, muss auch weiterhin sichergestellt werden. Das kann aber nur erfolgen, wenn in unserer schnelllebigen Zeit sich auch immer wieder Menschen finden, ganz besonders auch junge Menschen, mit dem guten Vorsatz, diesen Verein als ein Stückchen erhaltenswerten Bestandteil der hei­len Dorfgemeinschaft zu sehen. Allen Eltern von heranwachsenden Kindern sei versichert, dass die verantwortlichen Gremien dieses Vereins bestrebt sind, den Kindern und jugendlichen im Verein Fairness, Kamerad­schaftsgeist, Zusammenhalt in der Gruppe und der Gemeinschaft, unterein­ander und miteinander zu vermitteln und dass sie dieses neben den schieß­sportlichen Aktivitäten fördern werden.

Hierfür verbürgen sich die Verantwortlichen dieses Vereins!

Schützentradition in Evern

Die erste urkundliche Erwähnung von Schützenfesten in Evern datiert aus dem Jahre 1864. Das bedeutet, dass die Bürger von Evern die Tradition des Schießwettkampfes schon lange vor Gründung eines Schützenvereines ge­pflegt haben. Die Vorläufer sind sicher in den Schießübungen der Freien-Kompanien zu suchen.

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