Die Hakenbüchsen

Die Luntengewehre, auch Hakenbüchsen genannt, waren vom Gewicht sehr schwer, manche wogen bis zu hundert Pfund. Deshalb wurden sie haupt­sächlich zur Verteidigung der Stadt eingesetzt. Dazu nahm man einen Haken, den man in die Stadtmauer einfügte und darauf die Büchse platzierte. Die Treffgenauigkeit war äußerst gering. Dazu kam noch, dass der Lade­vorgang also Einfüllen des Pulvers und das Stopfen, Einfügen eines Propfes und der Kugel sowie das Einbringen des Pulvers auf die Zündpfanne sehr langwierig war. Der Spruch: „Der Schuss ging nach hinten los“, stammt wahr­scheinlich ebenfalls aus dieser Zeit und verdeutlicht auch die Gefahr, der der Schütze damals ausgesetzt war. Kein Wunder, dass er erst nach Anrufung sei­nes Schutzheiligen das Pulver auf der Zündpfanne in Brand setzte. Der militärische Erfolg dieser Luntengewehre oder Hakenbüchsen muss eher als gering angesetzt werden. Auch wurden diese Waffen so heiß, dass nur etwa sieben Schuss am Tag abgefeuert werden konnten. Jeder trainierte Bogen- oder Armbrustschütze war damals einem Schützen mit Hakenbüchse haushoch überlegen. Daher stellt sich die Frage, weshalb die Entwicklung mit Pulverwaffen nicht eingestellt wurde. Wahrscheinlich war der psycholo­gische Effekt so groß, dass er die Unzulänglichkeiten der damaligen Waffentechnik kompensierte. Es knallte, es stank nach Pulver in einem Zeitalter, das leicht mit äußerlichen Effekten zu beeindrucken war, ein nicht zu verach­tender Faktor.

Bei den Schützengesellschaften waren die Hakenbüchsen verpönt. Ja, sie haben sich oft lästernd über die Feuerschützen geäußert: „Nicht selten fiel einer um“. In den Schützengesellschaften setzten sich die Feuerschützen erst etwa im 15., definitiv aber erst im 16.Jahrhundert durch. Dies führte zu einer Rivalität mit den Stahlschützen und oft zur Gründung einer Feuerbüchsengesellschaft. Dazu kam, dass die Feuerschützen vollkommen andere Anforderungen an den Schießstand und die Umgebung stellen muss­ten. Sogar damals war der Lärm bereits ein Problem. Die Feuerbüchsen­gellschaften hatten auch deshalb einen so hohen Zulauf, weil die technische Entwicklung neue Zündverfahren mit sich brachte: So musste das Pulver nicht mehr über eine Lunte gezündet werden, denn mit der Erfindung der Steinschlossgewehre war eine wesentliche Verbesserung gelungen. Über einen Hahn, der sich beim Abzug senkte, wurde mit einem Feuerstein ein Funke ausgelöst, der das Pulver im Rohr zündete. Einen weiteren Fortschritt brachte die Erfindung des gezogenen Laufs. Hierzu muss man sich verge­genwärtigen, dass die damaligen Kugeln, meist aus Blei, nicht völlig kugel­förmig waren und deshalb beim Schießen unsauber beschleunigt wurden. Bei einem gezogenen Lauf jedoch, der innen rillenförmige Kerbungen hatte, wurde die Kugel in eine Rotation versetzt und konnte so dem Luftwiderstand und den unterschiedlichen Schwerpunkten besser begegnen. Gewehre mit gezogenen Läufen waren also wesentlich treffsicherer als solche mit gera­den Läufen.

Quelle:

Aus der Festschrift zum 75 jährigen Vereinsjubiläum des Schützenvereins Evern e.V.

Anfänge des Schützenwesens

Die Anfänge des Schützenwesens sind nicht nur in unserer Region durch das „Große Freie“ gegeben, sondern auch bereits vor der Zeit der Freien Kompanien gab es in anderen deutschen Regionen ein Schützenwesen. Besonders in großen Städten wurde viel Wert auf ein intaktes, geübtes Schützenwesen gelegt. Der nachfolgende aus der Historie überlieferte „Lad­brief“ erteilt Zeugnis hierüber.

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