Spectaculum

Mit einem „Spectaculum Eberen“ feierte das Dorf Evern

im Juni 2017 sein 900-jähriges Bestehen.

Mit dem Volks- und Schützenfest wurde der Dorfplatz

zu einem mittelalterlichen Markt mit Handwerkern,

Künstlern und Gauklern. Dabei gab es auch eine historische

Dorfführung zur Geschichte des Ortes.

 

 

 

 

 

 

 

Ein historischer Spaziergang

Plan Schilder Standorte

 


 

 

vom „Oben Liegenden Ort“

Der hiesige Platz hieß einst „Am Thie Berge“. Tieplätze (teils mit „h“ geschrieben) sind in ganz Nordwestdeutschland in Deckung mit den ehemaligen Siedlungsgebiet der Altsachsen zu finden. Ein Tie war der zentrale dörfliche Versammlungsplatz der Sachsen. Ab der Christianisierung diente er zur Bekanntgabe von Nachrichten und Anordnungen der „Obrigkeit“ an die Bauern, ist oft aber auch als Rechtsplatz bezeugt. In vielen Orten sind zum Tie gehörige Linden beschrieben oder heute noch zu finden. Oftmals verblieb nur die Bezeichnung Lindenplatz oder Lindenberg, was stark auf einen Tie hindeutet (Bsp. Lehrte) Auch in Haimar ist der Platz südöstl. der Kirche als Thie benannt.

Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dompropstei Hildesheim (1386- 1803) verfügte Evern über ein eigenes Freigericht samt eigenem Gerichtssiegel (Abdruck einer Kopie im Bild unten). Es kann vermutet werden, dass das Gericht auf dem Tie tagte. Alternativ kommt der gegenüberliegende Hof des domprobsteilichen Vogtes in Betracht (Nr. 1 , späterer Gutshof). Eine Kopie des Siegels befindet sich im Regional Museum in Rethmar, das Originalsiegel unter der Inventarnummer KSM-1967-194 im Kölnischen Stadtmuseum.Der Tie Plan

Der Tie in Evern ist ,it seiner späteren Bebauung typisch für die früneuzeitliche Nachnutzung (siehe Kartenausschnitt). Es befanden sich hier: Backhaus mit den beiden Backhauspohlen, die Schule und die Kirche, welche schon seit dem Mittelalter bezeugt ist.
Die erstmalige Erwähnung von Evern als „Eberen“ datiert aus dem Jahr 1117. Die Bedeutung „Eberen“ ist wissenschaftlich nicht eindeutig klärbar, Dieser Umstand deutet gleichzeitig auf einrelativ gesehen sehr hohes Alter der Ortsbezeichnung hin.
Alle Deutungsansätze beziehen sich auf das Indogermanische, aus dem sich das Altsächsische entwickelt hat (Sprache der Sachsen) Zur Vorsilbe „Eber-un“ findet sich:
„Wasser“ -- „Ufer“ ---“ Ebbe inBedeutung für Abfluten“,Örtlich gesehen „oben befindlich“, oben liegend“
Wissenschaftlich favorisiert wird die Deutung zu „oben liegender Ort“.

Tie SiegelIn Relation zur Bedeutung von Dolgen - „Thologum“ (975), was zu „..an einer Schwellung / Hügel liegend“ gedeutet wird, wird der Bezug zur Lage untermauert. Evern liegt topografisch gesehen auf einem gemeinsammen Hügel mit Dolgen. Das Vorhandensein eines Tie in Verbindung mit frühen Sakralbauten, deutet zudem auf eine besondere Stellung des Platzes bzw. des Ortes gegenüber umliegenden Siedlungen schon in vorchristlicher Zeit hin.
Quellen:
Bischoff, K (1971). der Tie
Ohainski, U., ; Udolph, J. (1998). Die Ortsnamen des Landkreises und der Stadt Hannover.)

 

 

 

 

 


 

Der Dorfteich

In einem Ortsplan von 1825 wird dieser Teich als „Tränke an der Lehmkuhlentrift“ beschrieben.

Teich Postkarte koloriertDer jetzige „Friedhofsweg“ war einer von mehreren Wegen die nördlich aus dem Ort Richtung Billerbach und Lehrte führten. Er wurde als Viehtrieweg (Trift) in den Steinwedler Wald genutzt. Dieser war Teil des großen Nordwaldes und reichte noch bis in das 16. Jahrhundert auf einige hundert Meter an Evern heran. Nach wenigen Jahrzehnten beispielloser Abholzung wird der „Wald“ bereits um 1600 als wüst bezeichnet. Die übiggebliebene Rodungssteppe wurde bis ca. 1880 als allgemeines Gemeindeland (Allmende) vom ganzen Ort als Viehweide genutzt. Auf dem Weg von und in den Stall war der damals mit flachen Ufer gestaltete Dorfteich eine willkommende Tränke für das Vieh. Im Rahmen der Verkoppelung der Ackerflächen zum Endedes 19. Jahrhunderts, wurde der „Steinwedler Wald“ urbar gemacht und unter den Landbesitzern im Dirf aufgeteilt. 

Skitze EisernteIn dem besagten Ortsplan sind über 20 Teiche verzeichnet, allein der Dorfteich ist übrig geblieben. Die Teiche wurden meistens zur Lehmgewinnung für den Hausbau ausgehoben. In der nördlichen und südlichen Feldmark befanden sich ebenfalls unzählige kleine Teiche. Sehr wahrscheinlich wurden diese nach der Lehmgewinnung, als Rotteiche für die Flachsverarbeitung weiterverwendet.Bis zum Kanalbau in den 1920er Jahren war der Ort eher feucht. Nach dem Kanalbau fielen unzählige Brunnen und auch sicher Teiche, häufiger trocken. Evern wurde daraufhin schon zum Ende der 1920er Jahre durch ein Wasserleitungssystem versorgt.Die damalige Dorfjugend nutzte den Teich im Winter gerne als Eislaufbahn. Unterbrochen wurde das Eisvergnügen nur, wenn Schlachter Sievers mit der Eissäge Eisblöcke für sein Kalthaus aus dem Teich sägte. Die Gemeinde Evern hatte das Eisrecht an den ortsansässigen Schlachter verpachtet.

 

 

 

 


 

Ehemalige Gastwirtschaft

Die Hofstellen 21 und 23 bis 1825 (siehe Kartenausschnitt)

Hofstelle 21 PlanSeit dem 17. Jahrhundert ist der heute noch vorhandenen Hofstelle 23 durchgängig ein Gastwirt und zeitweise auch einBrauer bezeugt. Aufgrund der Lage an der seit dem Mittelalter von Hannover nach Braunschweig verlaufenden Heerstr, gehörte zur Gastwirtschaft auch ein Ausspann für Pferde. Ausspann- und Gastwirtschaftsbetrieb sind um ca. 1865 eingestellt worden.
Den Berichten über den Lauf des Feuers nach, ist der Entstehungsort des Großen Brandes von Evern am 17,06,1825 in diesem Bereich zu suchen.

 

 

 

Neue Straße nach Lehrte

Nach dem großen Brand kam es zur Neuordnung vieler Hofstellen und einiger Straßenverläufe. Die heutige Jägerstraße entstand unter dem Namen „Packerstraße“. Die Packerstraße durchschnitt die ehemalige Hofstelle Nr. 21. Dieser Hof wurde wie einige andere Hofstellen, an den Westrand des des Dorfes verlegt. Die Stelle befindet sich heute am Stiegfeldweg.
Blickt man nach Morden so schaut man die Kreisstraße - K135 nach Lehrte hinunter.Ca. 1885 wurde u.A. auf Bestreben des Ökonomierates Otto Haarstrich mit dieser eine komplett neue Straßenführung als Verbindung nach Lehrte und Immensen geschaffen. (siehe Foto).
Noch bis Ende der 1960er Jahre war die Straße mit einem markanten Blaubasaltpflaster belegt.
Die durchgängige Streckenabzweig nach Immensen (beginnend Höhe Billerbach) war unbefestigt und entfiel mit der Zeit. Sein Verlauf ist heute nur noch in Teilen in Form landwirtschaftlicher Wirtschaftswege vorzufinden. 

 

 Lehrter Str                               Fam auf Lehrter Str

 


 

WINDMÜHLEN IN EVERN

Für Evern sind zwei Windmühlen überliefert.

Plan WindmühlenDurch die Lage des Ortes auf einer langgestreckten Erhöhung (Dorfplatz 75,5 m über NN) bestanden ideale Bedingungen für den Betrieb von Windmühlen. Die Mühle östlich von Evern befand sich auf einer Höhe von 76,5 m ü NN, die, die Anlage westlich des Ortes auf 71,0 m.

Eine Bockwindmühle (die ganze Mühle wirdin den Wind gedreht), später zur Paltrockmühle umgebaut, stand nördlich der leichten Kurve unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zwischen Evern und Dolgen. Sie wurde erstmalig 1360 im Urkundenbuch des Hochstiftes Hildesheim erwähnt und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erneuert oder umgebaut. Die Mühle gehört zu den ältesten, bereits sehr früh erwähnten Bauwerken dieser Art in ganz Deutschland.
Im Erbregister der Amtsvogtei Ilten von 1667 wird der damalige Müller namentlich genannt: „Die Windmühle vor diesem Dorfe gehöret Bartoldt Sachtelebendt erblich zu, mu? dem H. Thumbprobst zu Hildesheimb von der Mühlenstedt geben zu Erbenzinse 20 mgr (Mariengroschen) undt muss dem Voigte zu Evern in der Erndte davon 2 Tage einen Meyer schaffen.“
Wegen des tragischen Unfalltodes des letzten Eigentümers Otto Decker wurde die Mühle stillgelegt und schließlich am Ende der 1950er Jahre abgebrochen.Brand Mühle

Eine Holländermühle (nur die Kappe wird in den Wind gedreht) befand sich zwischen Evern und Rethmar südlich des heutigen Wohnhauses Rethmarsche Str. 2. Am ehemaligen Mühlenstandort erhebt sich heute ein Mobilfunkmast. Die Mühle wurde 1874 durch die Mühlen-Aktiengesellschaft Evern errichtet. Am 32. Juli 1933 entstand durch Selbstentzündung am Wellenkopflager ein Brand. Der Müller Heinrich Meyer war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Evern und Signalhornist. Er alarmierte unverzüglich seine Kameraden, das Gebäude stand aber kurze Zeit später bereits in hellen Flammen. Zeitzeugen berichten, dass sich die brennenden Flügel noch viele Minuten im starken Südwestwind drehten. Hierdurch wurden die Löscharbeiten erheblich erschwert. Die Mühle brannte innerhalb einer Stunde vollständig nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. In dem an der Bundesstraße stehenden Gebäude wurde der Mühlenbetrieb noch bis in die 1960er Jahre mittels einer Motormühle weitergeführt.

 

 

 

 


 

so wurde die Häusergruppe am östlichen Dorfrand in in einem Artikel des Burgdorfer Kreisblattes vom 4. Juni 1953 genannt. Dem Bereich war die untenstehende Grafik von Alfred Brecht beigefügt. Die Gebäude rund um die Sackgasse gestatten einen Blick in die dörfliche Vergangenheit Everns vor etwa 200 Jahren. Sie sind beim großen Dorfbrand von 1825 vom Feuer verschont geblieben. Hier lässt sich erahnen, wie eng Evern einst bebaut war. Die Breite und der Verlauf des Weges wurden seit 1825 nicht mehr verändert.
Stiller WinkelVorne rechts in der Grafik liegt die alte Hofstelle Nr. 31, jetzt Rethmarsche Str. 26. Seit 1739 gehört der Hof lange Zeit einer Familie Heuer. Um 1860 lebte Georg Angerstein als Weber und Brinksitzer mit seiner Frau Sophie Sievers und Familie. Um 1900 war der Zimmermann Wilhelm Bartels mit seiner Frau Dorothee Bortfeld hier ansässig.
Vorne links befindet sich das Wohnhaus Nr. 79, jetzt Rethmarsche Str. 32 mit der ehemaligen Schlachterei. Der Brinksitz wurde seit mindestens 1730 bis ca. 1827 von der Familie Aschemann bewirtschaftet. Das Wohnhaus brannte 1848 nieder und wurde nachfolgend wiederaufgebaut. Der letzte Inhaber Geschäftes hieß Theodor Sievers.
Halblinks sehen wir die ehemalige Hofeinfahrt des 1799 erbauten und erst vor einigen Jahren abgerissenen Bauernhofes Nr. 33. Seit mindestens 1747 war hier als Kötner für ca. 150 Jahre, durchgehend eine Familie Haepke zuhause (siehe Torpfosten der Einfahrt)
Das 1747 erbaute Haus Nr. 34, jetzt Rethmarsche Str. 30 ist das älteste bewohnte Gebäude in Evern. Eigentümer war zu dieser Zeit Heinrich Heincken. Seit ca. 1760 war der Brinksitz für etwa 170 Jahre im Besitz einer Familie Haarstrich. Seit den 1930er Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1984 lebte hier der Langjährige Bürgermeister und Gemeindedirektor Heinrich Mollenhauer.

 

 

 

 

 

 


 

Geologie und Eiszeitalter


Geologie EvernDas wir uns heute hier auf trockenem Boden bewegen können, ist eine große Ausnahme. Nach der Entstehung der Erde vor ca, 4600 Millionen Jahren warwährend eines großen Zeitraumes, bis zur Erdneuzeit vor etwa 30 Millionen Jahren, unsere Region sehr oft vom Meer überflutet. Hierbei wurden mehrere tausend Meter mächtige Sedimentschichten abgelagert, die jetzt unter unseren Füßen liegen. In Norddeutschland herrschte während der vergangenen Erdepochen überwiegend ein sehr warmes, tropisches Klima.

Spuren der Kaltzeiten

Den Beginn des Quartärs, die jüngste Periode der Erdgeschichte (vor 2,6 Mill. Jahren), markiert ein deutlicher Temperaturrückgang. Das Zeitalter der Eiszeiten, das Pleistozän begann. Unsere Region wurde im Laufe der jüngeren Erdgeschichte während zweier Eiszeiten von Gletschern aus Skandinavien überfahren. Die Ablagerungen der vorlrtzten der Saale - Eiszeit vor ca. 300.00 - 130.000 Jahren sind noch deutlich zu erkennen. Die bei uns aufgefundenen Geschiebe stammen überwiegend aus Mittelschweden. Die Gletscher hatten in unserer Region eine errechnete Höhe von etwa 200 bis 250 m. Zum Vergleich -der Schornstein des Kraftwerkes Mehrum hat eine Höhe von 250m. Die ehemals durch die Eismassen sehr kuppig und wellig gestaltete Landschaft lässt sich noch erahnen. Besonders beim Blick von Norden auf das Dorf ist erkennbar, dass Evern sowie Dolgen auf einem langgestreckten und jetzt flachen Höhenzug, einer Altmoräne liegen

 

 

Hoehe evernEine Besonderheit ist ein etwa 1 km südlich des Ortsrandes verlaufendes subglaziales Flussbett - eine Schmelzrinne. Von diesem ehemals etwa 150 -200 m breiten und 50 bis 70 m tiefen Tal ist jetzt im Gelände nichts mehr zu sehen, es wurde in den nachfolgenden Jahrtausenden nach der Saale-Eiszeit mit Sedimenten verfüllt. Im Verlauf der Letzten Kaltzeit, der Weichsel - Eiszeit (vor ca. 115.000 bis 10.300 Jahren) kam das Inlandeis nicht mehr bis in unsere Region. Durch Bodenfließen und heftigenWind wurde allerdings die Landschaft eingeebnet und verflacht. Während der vergangenen letzten 10300 Jahre breitete sich die Vegetation wieder nach Norden aus und bald bedeckten wieder dichte Wälder das Land.

 

Aufschlüsse von Sedimentgesteinj in der näheren Umgebung

Die oberflächennah gewonnenen Unterkreidetone und die hochwertigen Juratone wurden und werden in mehreren umliegenden Ziegeleien verarbeitet. Für die Zementherstellung wird wird der Oberkreidemergel genutztDurch den hohen Druck des aufliegenden Gesteins wurde das Steinsalz plastisch. Im Bereich Sehnde wurde es an einer Schwachstelle im Untergrund steil an die Oberflächennähe (nur ca. 150 m tief) gedrückt und bis 1981 im Bergwerk Friedrichshall abgebaut. Unter Evern liegt das Salz noch in einer Mindesttiefe von 2200 m.

 

 

 


 

Alte Dorfschmiede

Alte Schmiede PlanEine Schmiede befand sich nachweislich seit mindestens 1667 in diesem Bereich. In den Registern der Amtsvogtei Ilten und dem Kirchenbuch wird dort zu dieser Zeit ein Schmiedemeister Melcher Christian Beckers erwähnt. Der Betrieb gehörte bis ca. 1885 zur Hofstelle Nr. 3 und war danach ein Wirtschaftsgebäude dses neuen Hauses Nr. 74.
Noch bevor im Jahr 1901 eine organisierte Feuerwehr gegründet wurde, konstruierte und baute hier im Jahr 1899 der Schmiedemeister Albert Toll eine Feuerwehr-handdruckspritze, die sich zu einem Verkaufsschlager entwickelte. Die Spritze mit der Seriennummer 1 befindet sich heute noch im Besitz der Feuerwehr Evern.
Der vor der Schmiede verlaufende Weg wurde früher „Schmiede Trift“ genannt. Er ist somit auch ein Viehtriebsweg zu den Weideflächen und sehr wahrscheinlich der Beginn des, in der Kirchenchronik erwähnten, von Evern in das Bistum Hildesheim führenden „Hilligenweges“.

Im Jahre 1386 wurde das Dorf Evern von den Grafen von Saldern an das Domkapitel Hildesheim verkauft. Das Bistum übte danach die unmittelbare Herrschaft über den Ort aus, die Welfen gewannen 1621 aber die Landesherrschaft. Während der fortdauernden, jahrhundertelangen Auseinandersetzungen (bis 1803) zwischen den Welfenhaus und dem Bistum Hildesheim neigten die Everner eher dem Bischof zu. So boykottierten sie zunächst nach der Reformation den, im welfischen Fürstentum Lüneburg eingeführten, evangelischen Gottesdienst. Sie zogen lieber über den „Hilligenweg“ zur nächstgelegenen Kirche des Bistums oder sogar zur ehemaligen Mutterkirche in Lühnde. Erst nach und nach wurde von der Dorfbevölkerung der neue Glaube akzeptiert und die evangelische Kirche besucht.

 

 


 

Alte Heerstraße - Viller Kuhle

Die Sackgasse des Eichenkampes gehörte einst zum Verlauf der „Heerstraße“ von Hannover nach Braunschweig. Etwa ab dem 16. Jahrhundert bildete sich auf der Trasse dieser Straße eine leidlich befahrbare Verbindung, ausgehend vom Döhrender Turm, über Evern und Dolgen nach Peine heraus, Diese Straße wurde für den Warenverkehr und auch Militärbewegungen häufig genutzt Im Jahre 1748 richtete die „Königliche Kammer“ in Hannover auf dieser Strecke bis nach Braunschweig sogar eine neue Postlinie ein.
Der Wegezustand wurde in der Nähe Hannovers als gut bezeichnet, aber auf dem Land war die „Straße“ im Winterhalbjahr eher nass und schlammig und im Sommer sehr staubig. Bei schlechtem Wetter war der unbefestigte Weg abschnittsweise nicht befahrbar.
Heerstr villa kuhle planDie alte Straße führte von Rethmar kommend, am heutigen Mobilfunkmast vorbei in die jetzige Sackgasse des Eichenkampes hinein. Sie bog dann nach Norden ab und folgte ungefähr dem Verlauf der heutigen „Alten Heerstraße“. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Ausbau der Peiner Heerstr. zu einer Chaussee begonnen.
Der Verlauf der neuen CHaussee entspricht seitdem weitgehend der Trasse der heutigen Bundesstraße 65.
Die jetzige Sackgasse und der Wegeabschnitt am Ostrand wurde „Viller Kuhle“ genannt. Das niederdeutsche Wort „F(V)illen“ bedeutet „Haut abziehen, schinden“. Eine Villerkuhle ist also eine große Abfallgrube der Abdecker, in der verendetet und enthäutete Tiere verscharrt wurden. Diese Grube befand sich vermutlich südlich der ehemaligen Straße zwischen dem heutigen Ortsrand und dem Mobilfunkmast.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Feuerwehrplatz

Der heutige Feuerwehrübungsplatz war bis zum
Ende des 19. Jahrhunderts Teil einer großen, sich im Allgemeinbesitz befindlichen Freifläche. Diese erstreckte sich über den Kapellenhof, dem Thie Berge bis zum jetzigen Schützenhaus, der ehemaligen Schule. Zum Westen hin öffnete sich der Platz ins offene Feld, nur begrenzt durch die Heerstraße und dem tiefen, wasserführenden Graben „Schanze“

Feuerwehr PlatzDiese Freifläche bestand vermutlich schon seit der Erstbesiedlung des Dorfes. Auf dem Plan der Kurhannoverschen Landesaufnahme (1781) sind die heutigen Konturen der Fläche noch gut nachvollziehbar.
Nach dem großen Brand von 1825 wurde Evern großzügig wieder aufgebaut. Infolge dessen wurden einige Hofstellen an den westlichen Ortsrand umgesiedelt. Die 5 Hofstellen zwischen B65 und Stiegfeldweg lagen allesamt in der alten Dorfmitte,

 

Im Jahre 1898 wurde Evern an das Hannoversche Straßenbahnnetz angeschlossen

In Haimar startend, war der anfängliche Endpunkt der Linie 15 der Pferdeturm in Kleefeld. Neben dem Personenverkehr wurde auf den Gleisen auf viel genutzter Gütertransport betrieben. Ackerwagen mit herrabsenkbaren Schienenachsen ermöglichten einen regen Warenaustausch (Milch, Rüben, Zement, etc.) auf der Schiene. Eigens für diesen Zweck wurde ein Ladegleis auf dem Platz verlegt.
Ein weiterer ositiver Nebeneffekt war die frühe Elektriefizierung des Dorfes. 1935 wurde der Schienen- durch Busverkehr ersetzt. Letzter Endpunkt inserer 15 war die Markthalle in der Hannoverschen Altstadt. Der weiterhin betriebene Streckenabschnitt von Sehnde bis Anderten wurde 1960 eingestellt.Schienenwagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Kapelle Sankt Georg

(op Platt: Sünte Jürgen)

Die im Jahre 1852 geweihte ev.-luth. Kapelle wurde auf den Grundmauern der beim großen Dorfbrand 1825 niedergebrannten Kapelle aus 1723 wieder aufgebaut.

Schutzpatron ist Georg der Drachentöter

Kirche mit TeichEvern gehört mit Dolgen zur Kirchengemeinde St.Ulrich in Haimar.
Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes stammt vom 11. Mai 1117. Durch
großzügige Spenden des Grafen von Haimar konnte das Kirchrecht erworben und die
Loslösung von der Mutterkirche in Lühnde erwirkt werden. Evern ist somit der älteste Kirchort der Stadt Sehnde und des Großen Freien.
Mehrere Chronisten leiten aus der Wahl dieses Ortes eine besondere spirituelle
Bedeutung, auch in vorchristlicher Zeit, ab. Aber bereits um 1160 wurde der Kirchort
nach Haimar verlegt. Sankt Georg war seit dem nur noch eine Kapelle.
Der Platz um die Kapelle war sicherlich nur während der Kirchortzeit eine christliche
Begräbnisstätte. Danach wurden hier nur noch namenlose, unehrenhafte und
unchristliche Menschen beigesetzt.

 

 

Der sagenumwogene „tote Reiter von Evern“ fand hier seine letzte Ruhe:
„In einer stürmischen Nacht vor langer Zeit verirrte sich ein Pferd im vollen Galopp auf den
Kapellenhof . Auf ihm sass ein Reiter ohne Oberkörper. Es warf den Körper ab und ward wieder verschwunden. Der Reiter wurde hier bestattet und ihm zum Gedenken drei Eichen gepflanzt“.

Kirche Postkarte 600

 

 

 

 

 

 

Zum Seitenanfang